5 Jahre Umsonstladen

Immernoch „brauchbar“…
Fünf Jahre Bonner Umsonstladen im Romero-Haus
(2004-2009)

Im Frühjahr 2005 wurde im Oscar-Romero-Haus der erste Bonner Umsonstladen unter dem Namen “brauchbar” eröffnet. Aber eigentlich ist die „brauchbar“ als Initiative des Anarchosyndikats Köln/Bonn schon seit Mai 2004 mobil mit Klapptischen und Bananenkisten unterwegs gewesen.

Dazu wurde jeden Dienstag während des “Romero-Cafes” im Garten der Heerstraße 205 (einem ehemaligen Gefängnis) das in Kisten verpackte Umsonstladen-Sortiment aufgebaut. Anfang 2005 erfolgte dann der Einzug in den leergeräumten Fahrradkeller. Seitdem gibt es dort Regale und Kisten voller gespendeter Sachen: Bücher, Geschirr, Kleidung, Küchengeräte, Schuhe, Spielzeug, Taschen, Multimedia und vieles mehr…

Wir machen den Umsonstladen mittlerweile seit fünf Jahren – zeitweise mal jeden Dienstag, momentan jeden 1. und 3. im Monat (19-21 Uhr). Und es kommen immer wieder neue, teilweise sehr begeisterte Leute, die vor allem froh sind, dass sie ihre alten guten Sachen spenden bzw. ent-sorgen können. Aber auch viele kommen, die gerne was Brauchbares kostenlos mitnehmen. Schwierig ist manchmal das Verhältnis zu den türkisch-deutschen Nachbarinnen und vor allem zu ihren unbeaufsichtigten Kindern, die hemmungslos alles durcheinanderwühlen und müllsäckeweise Sachen mitnehmen, wenn man nicht aufpasst.

Deshalb haben wir uns nach einer unbegrenzten Anfangsphase genötigt gesehen, uns der in den meisten Umsonstläden üblichen Mitnahmeregel anzuschließen: 5-Sachen-pro-Person-und-Tag. Seitdem kamen diese Mütter seltener, aber die Kids schleppten trotzdem bei jeder Gelegenheit viel zu viele Dinge raus auf die Straße oder auf den Spielplatz im Garten. Dort ließen sie die Sachen dann als Müll liegen oder machen vieles sogar beim Spielen (und manchmal auch absichtlich) kaputt.

Das gab meistens Probleme mit der Nachbarschaft und für uns Streitereien, Beleidigungen und weitere Zerstörungen seitens der Kinder. Daher haben wir allen Kindern im Grundschulalter ein Hausverbot erteilt. In Begleitung von jugendlichen bzw. „erwachsenen“ Aufsichtspersonen dürfen sie aber den Umsonstladen nutzen. Auf Nachfragen stellen wir den Kids auch Kisten mit Spielzeug und Kinderbüchern vor die Tür, zumindest bis die dann wieder leergeräumt sind.

Es kamen aber auch schon andere Interessierte: neugierige Journalistinnen von WDR-Fernsehen und Deutsche Welle, die Berichte und Interviews über den Umsonstladen gemacht haben, denn wir sind in ja Bonn einer der wenigen in Nordrhein-Westfalen. Der nächste ist in Köln-Mülheim im Stadtteiltentrum MüTZe, wo Anfang 2009 auch das bundesweite Umsonstladentreffen stattfand. Aber auch das Anfang 2010 besetzte Autonome Zentrum in Köln-Kalk (Wiersbergstr. 44, Kalk-Kapelle) hat mit unserer Unterstützung einen Umsonstladen eingerichtet, der sogar täglich geöffnet ist.

Manchmal machen wir auch mobile Umsonst-Büchertische im Bonner Kulturzentrum „Kult 41“ und anderswo. Legendär auch unsere Einkaufswagen-Verschenke-Tour in der Bonner Innenstadt zum G8-Aktionstag 2007.

Ausserdem hat sich durch die kostenlose, vegane KollektivKüche (KoKü), die wir während der Umsonstladen-Öffnungszeiten machen, eine lose Gruppe von Leuten zusammengefunden. Die kommen zwar vor allem wegen des veganen Essens oder den Veranstaltungen, aber gelegentlich nutzen sie auch den Umsonstladen. Von den Nutzer/innen des Ladens nimmt allerdings leider nur selten jemand an der KollektivKüche oder unseren Veranstaltungen (Filme, Ausstellungen, Lesungen, Workshops…) teil. Auch hat sich unser Organisationsteam nicht dauerhaft vergrößern können, was zu einer einseitigen Belastung durch Arbeit und Fahrtkosten führt.

Eine mögliche Weiterentwicklung des auf Selbstausbeutung aufbauenden Umsonstladen-Prinzips wäre eine klar definierte Nutzer/innen-Gemeinschaft, die nicht nur Gebrauchsgegenstände und Luxusgüter teilt, sondern auch für kostenlose Bildung kämpft, gegenseitige Hilfe und Solidarität praktiziert – der freiheitliche Sozialismus im Kleinen.

Die brauchbaren Bücher, die wir aussortieren, bringen wir übrigens in einen der beiden „Offenen Bücherschränke“ oder improvisieren selbst welche. Für den Innenhof des Kulturzentrums „Kult 41″ am Hochstadenring planen wir ein Umsonst-Bücherregal zum Lesen, Spenden oder Mitnehmen – damit die Idee „Alles für alle“ immer mehr im Alltag erlebbar wird und dazu beiträgt die kapitalistische Logik der Ver-Wertung zu überwinden.

Anarchosyndikat Köln/Bonn, 2009
(http://anarchosyndikalismus.org/educat/brauchbar/)