„brauchbar“ – der Bonner Umsonstladen

(2009)

Seit Ende März 2005 ist in Bonn der Umsonstladen mit dem Namen „brauchbar“ aktiv. Ausgehend von einer Initiative des Anarchosyndikats Köln/Bonn haben wir monatelang brauchbare Dinge gesammelt und dabei so manchen Sperrmüll und Flohmarkt nach kostenlosen Fundstücken durchwühlt. Aber auch zahllose Sachspenden von Leuten, die die Idee des Umsonstladens unterstützen, haben geholfen das mittlerweile recht umfangreiche Gratis-Angebot auszuweiten. In der brauchbar findet ihr Bücher, Kleidung, Schuhe, Geschirr und Küchenkram, sowie Spielzeug, CDs/LPs/MCs, Videos und vieles mehr…

Die Idee des Umsonstladens ist einfach: Wenn Ihr noch brauchbare Sachen habt, die ihr weder wegwerfen noch verkaufen wollt, dann bringt sie einfach mit und stellt sie denjenigen Leuten kostenlos zur Verfügung, die die Sachen noch benutzen wollen. Oder ihr nehmt selbst was mit – natürlich ohne Geld und ohne Tausch!

Denn mit dem Umsonstladen wollen wir eine Alternative schaffen zum kapitalistischen Markt. Dort ist ebenso wie bei Tauschringen und Talentbörsen der „Wert“ einer „Ware“ jede Grundlage, egal ob es sich dabei um Nutz- und Konsum-Objekte oder um Dienstleistungen handelt. Solange in der Waren-Welt eine Gegenleistung in Form von Geld oder einer anderen Währung (Zeitkonto, „Talente“, Knochengeld, Schwundgeld,…) getauscht wird, bleibt es ein Geschäft unter den Zwangsbedingungen des Marktes.

Allerdings haben alle Menschen einen Bedarf an nützlichen und brauchbaren Objekten und Dienstleistungen. Diese Nachfrage ist unabhängig davon, ob jemand genug Geld hat oder nicht. Um ein bischen mehr Unabhängigkeit von der Kaufkraft (und der Arbeitskraft) zu schaffen und trotzdem die Bedürfnisse des Lebens gemeinsam zu organisieren, gibt es seit einigen Jahren die bereits bundesweit verbreitete Aktion der Umsonstläden.

Als Anarchist/innen unterstützen wir diese Ideen der gegenseitigen Hilfe und der Selbstverwaltung in allen Bereichen. Eine Anhängigkeit von staatlichen, parteilichen oder kirchlichen Fürsorgeeinrichtungen lehnen wir ab. Daher ist es uns wichtig, dass wir eine Gegenkultur von alternativen Wirtschaftsformen aufbauen, die die Marktwirtschaft überflüssig machen. So kann im Umsonstladen ohne eine Gegenleistung Alles von Allen mitgenommen werden je nach dem persönlichen Bedarf. Allerdings nehmen wir auch Spenden an, um das Projekt weiter auszubauen.

In vielen Umsonstläden ist es leider nötig geworden eine feste Regelung einzuführen, z.B. dass jede/r pro Tag nur eine bestimmte Anzahl von Sachen mitnehmen darf. Im Bonner Umsonstladen bestand anfangs keine Notwendigkeit für eine solche Vorschrift. Wir haben darauf vertraut, dass diejenigen Leute, die sich mehrere Sachen mitnehmen, das zu ihrem eigenen Gebrauch und nicht zum Verkauf tun. Mittlerweile mussten wir die Regel: 5-Sachen-pro-Person-und-Tag einführen.

Die Vielfalt und Qualität des Umsonstladens ist dabei natürlich von den abgegebenen Materialspenden abhängig. Wir freuen uns über jedes Teil, was wir bekommen. Vor allem, wenn es gepflegt und nicht zu gross ist (d.h. es sollte etwa in eine Bananenkiste passen). Schrott, verderbliche Lebensmittel oder eindeutigen Müll müsst ihr allerdings woanders entsorgen! Leider können wir aus Platzgründen momentan auch keine Möbel mehr annehmen, aber wir haben eine Pinwand aufgestellt, wo ihr gerne einen Zettel mit dem Foto eurer Möbelspende (oder eine Suchmeldung) aufhängen könnt.

Seit Anfang 2010 hat die Anarchistisch-Syndikalistische Jugend (ASJ Bonn) beim Umsonstladen mitgearbeitet und mit einer tatkräftigen Renovierungsaktion dem Kellerraum neuen Glanz und ein bischen mehr Ordnung verschafft. Seit Februar 2012 gibt es aus organsiatorischen Gründen allerdings keine Öffnungszeiten mehr! Sobald es Neuigkeiten gibt, weren wir Euch auf den aktuellen Stand bringen…